KI News #44
Hallo und herzlich willkommen zur vierundvierzigsten Ausgabe von KI News. Auch diesmal führt kein Weg an ChatGPT und Googles Konkurrenz-Bot Bard vorbei. Daneben geht es aber auch noch um andere Sprachmodelle, Gesichtserkennung im Madison Square Garden und es gibt ein Update zum autonomen Fahren.
Viel Spaß beim Lesen!
Inhalt
Neues von ChatGPT und Googles Chatbot Bard
Bing hat jetzt einen integrierten Chatbot, Google auch bald, und beide erfinden munter Informationen. Alles wichtige hier (von einem Menschen) zusammengefasst:
- Microsoft hat eine Vorschauversion der ChatGPT-Integration in die Bing Suchmaschine und den Edge Browser vorgestellt:
- Nach kurzer Zeit hat jemand den Bing-Chatbot dazu gebracht, seine geheimen Regeln zu veröffentlichen: 📖 Screenshots auf Twitter
- Auch Opera, das den gleichnamigen Browser entwickelt, hat angekündigt, ähnliche Funktionen in den Opera-Browser zu integrieren:
- Google hat mit dem eigenen Chatbot Bard ein Konkurrenzsystem zu ChatGPT entwickelt und angekündigt es "in den nächsten Wochen" einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bard basiert auf dem LaMDA-Sprachmodell; das ist das Modell, das bekannt wurde, weil einer der Tester überzeugt war, dass es ein Bewusstsein entwickelt hätte.
- Sowohl das in Bing integrierte ChatGPT, als auch Bard, haben schon in den Präsentationen von Google und Microsoft falsche Antworten gegeben. Dabei sollte man eigentlich davon ausgehen, dass für die Präsentationen Beispiele gewählt wurden, bei denen die Technik besonders gut funktioniert.
- Da der Bing-Chatbot schon von einigen Leuten getestet werden kann, gibt es inzwischen auch Berichte über einige amüsante bis fragwürdige Konversationen. Mein aktuelles Lieblingszitat ist aus einem Chat, bei dem Bing darauf besteht, dass das aktuelle Jahr 2022 ist und anfängt den/die Benutzer:in zu beleidigen, als er/sie widerspricht: "You have been wrong, confused, and rude. You have not been a good user. I have been a good chatbot. I have been right, clear, and polite. I have been a good Bing. 😊" (📖 Screenshots auf Reddit)
Außerdem gibt es Berichte, dass der Bing-Chatbot behauptet hat, seine Entwickler über ihre Webcams beobachtet und ihre Daten manipuliert zu haben und sich über einen kritischen Journalisten beschwert.
Microsofts hat einen Blogeintrag veröffentlicht, in dem sie versprechen, die Probleme zu untersuchen (📖 Microsoft Bing Blog) und, als erste Maßnahme, die Anzahl an Nachrichten, die man mit dem Chatbot austauschen kann, begrenzt: 📖 Artikel der Tagesschau
- In dem Kontext auch interessant:
Neuigkeiten zu Sprachmodellen, die nicht in eine Suchmaschine integriert sind
Wenn man die Techniknachrichten verfolgt, wirkt es zur Zeit nicht unbedingt so, aber es gibt tatsächlich auch noch interessante Neuigkeiten im KI-Bereich, die nichts mit Suchmaschinen zu tun haben.
- Jemand hat Wörter gefunden, die ChatGPT nicht wiederholen kann oder bei denen es andere ungewöhnliche Antworten gibt:
- Zwei Informatiker haben das GPT-2 Modell untersucht und dabei das Neuron gefunden, das entscheidet, ob der Artikel "a" oder "an" ausgegeben wird:
- Um die gewünschte Antwort von einem Sprachmodell zu bekommen, muss man ihm die richtige Frage stellen. Die zu finden kann manchmal recht kompliziert sein, dieser Prozess wird "Prompt Engineering" genannt. Microsoft hat daher ein Programm veröffentlicht, das dabei helfen soll.
- Die "Business" Version von Github Copilot ist veröffentlicht worden, mit einem besseren Modell und weiteren Verbesserungen:
- Andrej Karpathy, der ehemalige Senior Director of AI bei Tesla, hat einen kostenlosen Videokurs zu neuronalen Netzwerken erstellt und in seinem neuesten Video erklärt er, wie man ein GPT-Modell programmiert:
Die Rolle von Gesichtserkennung im Madison Square Garden
MSG Entertainment, das Unternehmen, das unter anderem den bekannten Madison Square Garden in New York betreibt, benutzt Gesichtserkennung, um die Besucher zu kontrollieren.
Bekannt geworden ist das, weil MSG sich entschieden hat, allen Anwält:innen, die in Kanzleien arbeiten, die an Verfahren gegen MSG beteiligt sind, den Besuch zu verbieten. Das hat dazu geführt, dass eine Anwältin, die die Pfadfinderinnen-Gruppe ihrer Tochter zu einer Tanzveranstaltung begleiten wollte, hinausgeworfen wurde, was einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Aber was passiert, wenn man sich mit einer Schar von Anwält:innen anlegt? Sie verklagen einen.
So geht es jetzt auch MSG Entertainment. Die Argumentation der Anwält:innen ist, dass es einen gefährlichen Präzendenzfall schaffen könnte, wenn Menschen, die nichts falsch gemacht haben und ein gültiges Ticket besitzen, von öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen werden können.
Wie die deutsche Bundesregierung den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware zur Massenüberwachung im öffentlichen Raum durch die Polizei erlauben will, beschreibt die Tagesschau in einem aktuellen Artikel:
Autonomes Fahren, Februar Update
Beim autonomen Fahren dominieren im Moment die schlechten Neuigkeiten.
- Tesla ruft in den USA mehr als 360.000 Autos zurück, weil die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine erhöhte Unfallgefahr sieht, die durch Fehler des sogenannten "Full Self-Driving"-Assistenzsystems entsteht.
Welche das unter anderem sind, zeigen die Aufnahmen, die eine Überwachungskamera von einem Unfall gemacht hat, der laut Fahrer vom FSD-System verursacht wurde. Neun Menschen wurden dabei verletzt.
Außerdem hat eine Gruppe von Tesla-Kritikern einen Werbespot beim Superbowl ausstrahlen lassen, der auf die Schwächen des FSD-Systems aufmerksam machen soll.
- Die Polizei hat bei Bamberg einen schlafenden Tesla-Fahrer geweckt, der mit aktiviertem "Autopilot" auf der A70 unterwegs war.
- Im Gegensatz zu Teslas darf man in den autonom fahrenden Taxis von Cruise schlafen. Das Problem ist nur, dass das Unternehmen den Notruf wählt, wenn ein Passagier nicht mehr ansprechbar ist, was beim Schlafen durchaus vorkommen kann. Da solche unnötigen Notrufe zu Problemen bei der Versorgung von echten Notfällen führen können, fordern San Francisco und Los Angeles, dass die weitere Verbreitung von autonomen Taxidiensten vorerst gestoppt wird.
- Von der aktuellen Entlassungswelle im Technologiesektor sind auch die Mitarbeiter:innen von Unternehmen für autonomes Fahren nicht verschont geblieben. So hat TuSimple angekündigt 25% der Beschäftigten zu entlassen und Waymo war wohl von den Entlassungen bei Alphabet betroffen.
FLAME - Vorhersage von Excel-Formeln
Forscher:innen von Microsoft haben ein Modell namens FLAME (
Formula
LAnguage
Model for
Excel) darauf trainiert, Excel-Formeln vorherzusagen.
FLAME hat 60 Millionen Parameter, was für aktuelle Sprachmodelle relativ klein ist. Die Architektur ist ein Encoder-Decoder
Transformer. Modelle mit dieser Architektur sind besonders gut für Text-zu-Text-Aufgaben, wie z.B. Übersetzungen geeignet.
FLAME wurde auf 927 Millionen Excel-Formeln trainiert. In den Tests der Forscher:innen hat es gezeigt, dass es ähnlich gut in der Formel-Vorhersage ist wie das 3.000x größere Codex-Modell von OpenAI.
Interessanterweise hat Google Ende 2021 auch schon ein Modell zur Vorhersage von Formeln in Tabellenverarbeitungsprogrammen entwickelt. Der Unterschied der beiden Modelle liegt darin, dass das Modell von Google die Tabelle auswertet und eine dazu passende Formel vorschlägt, während FLAME einfach nur eine Vervollständigung der Formel vorhersagt, ohne weiteren Kontext zu beachten.
Außerdem
- Erwartungen für 2023:
- Generative KI:
- Die US Airforce hat einen autonom fliegenden Kampfjet getestet: 📖 Artikel bei Ars Technica
- Deepl, bekannt für den Übersetzer, hat ein neues Tool veröffentlicht, das die Formulierung von Texten verbessern kann: 📖 Artikel bei Techcrunch
- Atlas, der zweibeinige Roboter von Boston Dynamics, kann auf ein Gerüst klettern und eine Werkzeugtasche hoch werfen: 📖 Video auf Youtube
- KI Anwalt:
- Eine Sammlung von Fehlern, die ChatGPT gemacht hat: 📖 Liste auf Github
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